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Ratgeber

Hochwasser und Elektrik: Schaden am Verteiler

Wenn Wasser in einen Zählerschrank oder Verteiler eindringt, entscheidet nicht das Aussehen des Kastens, sondern eine fachkundige Prüfung, ob und wie er weiterverwendet werden kann.

Alter Sicherungskasten aus den 1960er-Jahren mit handbeschrifteten Sicherungen und offener Holztür
RatgeberVerteiler & Wasserschaden

Wenn Wasser in einen Zählerschrank oder Verteiler eindringt, stellt sich für die meisten Betroffenen zuerst eine Frage: Reicht es, den Kasten trocknen zu lassen, oder muss mehr passieren?

Die ehrliche Antwort hängt nicht davon ab, wie viel Wasser sichtbar war, sondern davon, was Feuchtigkeit mit Klemmstellen, Isolierung und Kontakten anstellt — und das lässt sich von außen an einem geschlossenen Kasten kaum beurteilen. Dieser Ratgeber erklärt, was nach einem Wasserschaden am Verteiler zu tun ist, warum der betroffene Stromkreis bis zur Prüfung stromlos bleiben muss und wann der Griff zum Telefon statt zum Schraubendreher richtig ist.

Kurz gesagt

Wasser im Zählerschrank oder Verteiler ist kein Fall für ein trockenes Tuch. Schalten Sie den betroffenen Bereich am Hauptschalter stromlos, berühren Sie nichts weiter und schalten Sie nichts eigenmächtig wieder ein. Ob der Kasten weiterverwendet werden kann oder komplett neu aufgebaut werden muss, entscheidet erst die Prüfung durch eine Elektrofachkraft — von außen ist einem geschlossenen Verteiler ein Wasserschaden oft nicht anzusehen.

Das Weißeritz-Hochwasser 2002 und die Dresdner Verteiler

Dass ein Wasserschaden am Verteiler kein theoretisches Szenario ist, zeigt ein Blick zurück: Im August 2002 trat die Weißeritz weit über ihre Ufer und beschädigte in mehreren Dresdner Stadtteilen Gebäude und Infrastruktur. Betroffen war unter anderem der Bereich um die Hofmühlenstraße im Plauenschen Grund — mehr zur Situation vor Ort lesen Sie unter Zählerschrank & Verteiler in Plauen. Auch Teile von Leuben und Cotta standen damals unter Wasser.

Zählerschränke und Verteiler in Kellern und Erdgeschossen waren zum Teil tagelang dem Wasser ausgesetzt und ließen sich hinterher nicht einfach abtrocknen und wieder einschalten. Diese Erfahrung ist nicht auf ein historisches Hochwasser beschränkt: Ob Starkregen, ein Rohrbruch oder ein überfluteter Kellerraum in Hanglage — sobald Wasser einen Verteiler erreicht, gilt dieselbe Regel wie 2002.

Warum der Stromkreis sofort stromlos bleiben muss

Wasser und Strom vertragen sich grundsätzlich nicht, doch die eigentliche Gefahr liegt nicht nur im Moment des Kontakts. Feuchtigkeit kriecht in Klemmstellen und Isolierung hinein und verändert dort über Stunden und Tage die Übergangswiderstände — mit der Folge, dass ein Bauteil auch dann noch ein Risiko darstellt, wenn der Kasten von außen längst wieder trocken aussieht. Deshalb gilt: Sobald ein Zählerschrank oder Verteiler mit Wasser in Berührung gekommen ist, bleibt der betroffene Bereich am Hauptschalter stromlos, bis eine Elektrofachkraft ihn geprüft hat.

Was von außen nicht zu erkennen ist

Ein geschlossener Verteiler zeigt selten, wie tief Feuchtigkeit eingedrungen ist. Klemmstellen können korrodieren, ohne dass sich das sofort auswirkt, und Isolationswiderstände können so weit sinken, dass im Betrieb ein Fehlerstrom entsteht, der zunächst unbemerkt bleibt. Genau deshalb reicht ein Blick oder ein trockenes Handtuch nicht aus — gemessen wird der Isolationswiderstand der betroffenen Leitungen, bevor irgendein Kreis wieder unter Spannung geht.

Wann muss zwingend eine Elektrofachkraft ran?

Sobald Wasser den Zählerschrank, den Verteiler oder fest verlegte Leitungen erreicht hat, ist das kein Fall mehr für Eigeninitiative. Arbeit an der Verteilung ist nach NAV §13 ohnehin der Elektrofachkraft vorbehalten — nach einem Wasserschaden kommt hinzu, dass erst eine Prüfung zeigt, ob der Kasten weiterverwendet werden kann oder komplett neu aufgebaut werden muss. Auch ein Kellerverteiler, der nur kurz im Wasser stand, gehört in diese Kategorie: Die Dauer des Kontakts sagt wenig darüber aus, wie tief Feuchtigkeit in die Klemmstellen vorgedrungen ist. Stromkreise in Räumen, die vom Wasser gar nicht erreicht wurden, können davon unabhängig eingeordnet werden — auch das klärt sich am zuverlässigsten am Telefon.

Was Sie selbst tun können — und was nicht

Sie können den betroffenen Bereich am Hauptschalter oder an der zugehörigen Sicherung ausschalten, sofern Sie dafür nicht selbst im Wasser stehen oder nasse Hände haben — im Zweifel warten Sie, bis eine Fachkraft am Telefon Ihnen sagt, wie Sie vorgehen. Sie können außerdem Möbel und Gegenstände aus der Nähe des Verteilers entfernen und den Zustand für die Versicherung fotografieren.

Was Sie nicht selbst übernehmen: den Verteiler öffnen und auf eigene Faust prüfen, Automaten oder Klemmen tauschen oder den Kreis nach dem Trocknen einfach wieder einschalten. Ob eine Prüfung reicht oder ein Neuaufbau nötig ist, entscheidet die Elektrofachkraft anhand der Messwerte — nicht der äußere Eindruck.

Hatte Ihr Zählerschrank oder Verteiler Kontakt mit Wasser, ordnen wir Ihren Fall am Telefon ein und übernehmen die Prüfung vor dem Wiederanschluss — mehr zum Ablauf finden Sie unter Zählerschrank & Verteiler. Ist durch den Schaden gleich die ganze Wohnung ohne Strom, lesen Sie zusätzlich, was bei einem Stromausfall zu tun ist.

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