Alte Elektroinstallation erkennen: wann handeln?
Solange Licht und Steckdosen funktionieren, wirkt eine alte Elektroinstallation unauffällig. Vier Anzeichen zeigen zuverlässig, wann aus „noch okay” ein echter Handlungsbedarf wird.
Aus der täglichen Arbeit in Dresdner Altbauten — verständlich erklärt, ohne Fachchinesisch.

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Vielen Eigentümern und Mietern in Dresdens Gründerzeitvierteln ist gar nicht bewusst, wie alt die Elektroinstallation hinter Putz und Tapete tatsächlich ist.
Solange Licht und Steckdosen funktionieren, fällt das kaum auf — bis mehrere Geräte gleichzeitig laufen sollen oder im Kasten schlicht kein FI-Schalter sitzt. Alt bedeutet dabei nicht automatisch gefährlich. Es gibt aber eine Handvoll Anzeichen, die zuverlässig zeigen, wann Handlungsbedarf besteht. Vier davon sehen wir in der täglichen Arbeit in Dresdner Altbauten immer wieder.
Eine alte Elektroinstallation sollte spätestens dann geprüft werden, wenn Sie stoffummantelte Leitungen im Kabelkanal oder hinter offenen Dosen sehen, wenn an der Steckdose kein Schutzleiter (dritter Kontakt) ankommt, wenn wenige Sicherungen die ganze Wohnung versorgen oder wenn im Verteiler kein FI-Schalter sitzt. Ein einziges dieser vier Anzeichen reicht für einen Anruf bei der Elektrofachkraft.
Vier Anzeichen, die in Dresdner Gründerzeithäusern immer wiederkehren
Kaum ein Stadtteil zeigt das so deutlich wie die Äußere Neustadt: Als eines der größten zusammenhängenden Gründerzeitgebiete Deutschlands blieb der Bestand im Zweiten Weltkrieg weitgehend unversehrt, stand nach 1989 aber lange marode und wurde erst seither Zug um Zug wieder hergerichtet. Hinter frisch sanierten Fassaden steckt darum oft eine Elektroinstallation, die nie durchgehend erneuert wurde — nur dort, wo bei einer Sanierung ohnehin Wände geöffnet waren.
Stoffleitung statt moderner Kabelisolierung
Ziehen Sie eine alte Abdeckung ab oder öffnet eine Fachkraft einen alten Kabelkanal, kommt manchmal noch eine stoffummantelte Leitung aus der Erstausstattung des Hauses zum Vorschein. Der Stoff macht die Isolierung mit den Jahrzehnten spröde; an Knick- und Klemmstellen kann sie brechen. Von außen ist das für Laien kaum zu erkennen — meist fällt es erst auf, wenn jemand eine Dose öffnet oder eine neue Leitung verlegt.
Kein Schutzleiter an der Steckdose
Fehlt der dritte Kontakt an einer Steckdose, fehlt der Schutzleiter, der ein Gerätegehäuse bei einem Isolationsfehler erdet. Gründerzeit-Häuser wurden ursprünglich komplett ohne Schutzleiter verkabelt; wo seither niemand die Zuleitung erneuert hat, steckt er bis heute nicht dahinter — selbst wenn längst eine neue, geerdet aussehende Steckdose montiert wurde. Ob der Leiter wirklich ankommt, zeigt nur eine Messung, nicht der Blick auf die Dose.
Zu wenige Stromkreise für den heutigen Verbrauch
In vielen Altbau-Wohnungen der Neustadt versorgt bis heute ein einziger Kreis Küche, Bad und mehrere Zimmer gemeinsam. Für Beleuchtung und ein Radio reichte das früher aus, für Herd, Waschmaschine, Kaffeemaschine und Ladegeräte gleichzeitig eher nicht. Springt der LS-Automat immer wieder heraus, sobald mehrere Geräte laufen, ist das oft weniger ein Defekt als ein zu knapp bemessener Stromkreis.
Kein FI-Schalter im Verteiler
Steht im Kasten nur eine Reihe einzelner LS-Automaten ganz ohne FI (RCD), fehlt der Personenschutz, der bei einem Fehlerstrom sofort abschaltet. Gerade in der Äußeren Neustadt sehen wir das noch häufig: Holzkästen aus der Erstausstattung, in denen für einen zusätzlichen FI kaum noch Platz ist. Was eine Nachrüstung in einem solchen Kasten konkret bedeutet, beschreiben wir auf unserer Seite Zählerschrank & Verteiler Neustadt.
Warum das Baujahr der Fassade allein nichts über den Kasten sagt
Eine sanierte Fassade oder ein neu verputzter Hausflur sagen wenig darüber, wie es hinter der eigenen Wohnungstür aussieht. Renoviert wurde in vielen Gründerzeithäusern Etage für Etage und Jahrzehnt für Jahrzehnt — nicht das ganze Haus auf einmal. Zwei Wohnungen im selben Aufgang können deshalb einen völlig unterschiedlichen Stand der Elektroinstallation haben. Verlässlich ist am Ende nur der Blick in den eigenen Verteiler und auf die eigenen Leitungen, nicht das Baujahr des Hauses.
Was Sie selbst tun können — und was nicht
Selbst kontrollieren können Sie, ob eine Steckdose einen dritten Kontakt hat, ob im Kasten überhaupt ein FI-Schalter sitzt und wie viele einzelne LS-Automaten dort insgesamt stecken. Auch die Prüftaste an einem vorhandenen FI dürfen und sollten Sie regelmäßig selbst betätigen.
Nicht selbst tun dürfen Sie: den Verteiler öffnen und daran arbeiten, eine Leitung freilegen oder tauschen, oder einen fehlenden Schutzleiter selbst nachrüsten. Arbeit an der festen Elektroinstallation und am Verteiler ist nach NAV §13 ausschließlich der Elektrofachkraft vorbehalten — unabhängig davon, wie einfach die Änderung aussieht.
Haben Sie eines oder mehrere dieser Anzeichen bei sich gefunden? Wir sehen uns Ihre Elektroinstallation vor Ort an und sagen Ihnen, ob eine Nachrüstung reicht oder der Zählerschrank samt Verteiler mit erneuert werden sollte.
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